Bildung Online – Expertenforum

Media&Data

„Moderne Autorensysteme erfordern verschlagwortete Einzelmedien“

Am 12. und 13. Mai fand in Hall in Tirol die Bildung Online statt. Neben der praxisnahen Ausstellungsfläche, an der Schüler vorführen konnten, wie bei ihnen der Unterricht der Zukunft aussieht, hatten Besucher Gelegenheit sich auf zahlreichen Rahmenveranstaltungen zu informieren. Eine davon war das Expertenforum zum Thema „Online-Verfügbarkeit von Einzelmedien“ in Form eines Round-Tables mit renommierten Teilnehmern aus der Mediendistribution und –produktion, aus staatlichen Einrichtungen und Bildungsdienstleistern.

Die zentrale Frage der Expertenrunde:

Wie sieht der nächste Schritt aus, damit digitale Medien in die Breite gelangen?

Mehrere Referenten boten mit kurzen Impulsvorträgen den Einstieg in lebhafte Diskussionen. Die Kernaussagen der Vorträge, sowie die darauf folgenden Fragen sind im Folgenden stichpunktartig zusammengefasst.

Stefan Schätti, Geschäftsführer der co.Tec GmbH, startete das Forum mit einem Impulsvortrag zum Thema „Notwendigkeit von Einzelmedien für die sinnvolle Verwendung von Autorensystemen“ (Präsentation und weitere Informationen hier)

  • Einzelmedien  helfen bei der Individualisierung des Unterrichts
  • Die Auffindbarkeit dieser Einzelmedien ist bei weitem noch nicht ideal gelöst und erschwert somit den Einsatz
  • Fazit: Ideal wäre ein die Bundesländer übergreifender zentralen Server für didaktische Einzelmedien, sowie ein zentrales Werkzeug, das von ALLEN kostenfrei genutzt werden kann, zur didaktisch-methodischen, flexiblen Einbindung dieser Einzelmedien.

Dr. Anita Stangl, Geschäftsführerin der MedienLB GmbH, setze den Fokus ihres Impulsvortrags „Wie unterstützen Medienproduzenten die Anforderungen des zeitgemäßen Unterrichts“ auf den IST-Zustand des aktuellen Unterrichts und gab damit die im Laufe der Diskussion oft wiederholte Aussage „Wir müssen die Lehrer dort abholen, wo sie sind!“ vor.

  • Die Schultasche des heutigen Standard-Schülers beinhaltet in erster Linie eine Flut an Arbeitsblättern
  • Die Schule braucht Arbeitsmaterial, dieses muss aber dem Unterricht angepasst sein, nicht umgekehrt
  • Lehrer: 80% „traditionell“, 20% innovativ (geschätzt)
  • MedienLB beteiligt sich an einem Pilotprojekt der LMU zu interaktiven Schulbüchern (weitere Informationen hier)

Als Mitveranstalter des Expertenforums stellte die Firma media&data eine mögliche Lösung der geforderten zentralen Bezugsquelle für Einzelmedien vor. Die Präsentation „Zentral verwaltet, dezentral nutzbar - Metadaten machen digitale Einzelmedien schnell auffindbar und online verfügbar“ von Nathalie Everding, Manager Marketing/Sales bei der media&data gmbh, diente als Anstoß zur Diskussion über weiterentwickelte Distributionsmodelle.

Als Betreiber des Distributionssystems LeOn (LernenOnline) erläuterte Michael Kern, Fachbereitsleiter des Medienzentrum des Landes Tirol, am Beispiel des Standorts Tirol den Prozess „Vom traditionellen Medienverleih zum modernen Online-Medienportal“

  • Die Infrastruktur der Schulen muss berücksichtigt werden, aber ein stetiger Fortschritt ist erkennbar
  • Das Tiroler Bildungsinstitut  wird den Verleih in den Außenstellen vollständig einstellen
  • Das moderne Distributionssystem LeOn bietet umfangreiche Analysetools, die den Einkauf und die Weiterentwicklung nach Lehrerbedürfnissen erleichtern
  • Stetiger enormer Zuwachs an Nutzern sowie Suchanfragen seit der Umstellung auf das Online-Medienportal
  • Stark ansteigende Nutzung von digitalen Medien im Unterricht und in der Unterrichtsvorbereitung

Diese Trends bestätigte auch Peter Eiselmair, Geschäftsführer der Education Group, die den Lehrern Oberösterreichs ebenfalls sämtliche Medien on-demand zur Verfügung stellt. Er betonte zudem die Notwendigkeit der thematischen Zusammenführung verschiedener Einzelmedien, unabhängig vom Produzenten.

Dr. Friedhelm Schumacher, Leiter der Stabsstelle Dienstleistungen, Projekte, Medienentwicklung der FWU gGmbH, gab als Überleitung zur Podiumsdiskussion einen praxisnahen Einblick in die „Aktuelle Situation der Medienerschließung in Deutschland“, einschließlich deren Akteure, bisherigen Standards und Herausforderungen.

  • Nur zögerliche Zusammenarbeit der Gruppen
  • Zunehmender Bedarf an Metadaten, aber keine Workflows hierfür
  • Lizenzformen/ Lizenzsicherheit

Podiumsdiskussion

„Die Bedeutung leistungsfähiger Medienportale – Nutzerfreundliches Arbeiten mit rechts- und qualitätsgesicherten, digitalen Inhalten“


Teilnehmer von links nach rechts:
Maria Schumm-Tschauder, Projektleiterin Medienportal Siemens Stiftung
Peter Eiselmair, Leiter der Education Group GmbH
Anita Stangl, Geschäftsführerin der MedienLB GmbH
Saskia Esken, Bundestagsabgeordnete der SPD, Mitglied im Ausschuss Digitale Agenda.

Den Einstieg in das Thema bot die internationale ICILS Studie, welche belegt: Beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist Deutschland Schlusslicht.

Bei der Frage nach den Gründen hierfür, stellte sich der Föderalismus als zentraler Knackpunkt heraus – jedes Bundesland geht seinen eigenen Weg. Das verschwendet wertvolle Ressourcen und macht es zudem schwierig, sich zu vernetzen.

Die Lösung hierfür, darin waren alle einig, wäre eine zentrale „Grundversorgung“ an Technik und Material.

Diese Anforderung wird ebenfalls virulent, wenn es um den Markt der freien Bildungsmedien (OER) geht. Ein zentrales System würde für bessere Auffindbarkeit und Austauschmöglichkeiten sorgen und somit die klaren Vorteile von OER besser zum Zuge kommen lassen: Die Zugriffsrechte sind vereinfacht, die Veränderbarkeit und der Austausch können den Unterricht maßgeblich beeinflussen.

Trotz der Entwicklungen hin zu OER machte die Diskussion deutlich, dass Medienproduzenten auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen und dass ein Zusammenspiel aus beiden Bereichen notwendig ist.

Die gemeinsamen Forderungen der Teilnehmer:

  • ein einfacher Zugang zu digitalen Medien für Lehrende und Lernende
  • umfangreiche Analysemöglichkeiten für punktgenaueres produzieren
  • bessere Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Portalen und
  • vereinfachte Lizenzformen für Einzelmedien.

 

Ausblickend stellte Dr. Maximilian Stiegler, Geschäftsführer der media&data gmbh, den Lösungsweg von media&data vor:

„Wir schaffen gerade ein Zentralsystem für Bildungsmedien, mit den technischen Voraussetzung zur Einzelmediendistribution, umfassenden Metadaten-Standards und mit einem gemischten Angebot aus OER und kostenpflichtigen Materialien.“

„Hier müssen Modelle entwickelt werden – aber im Kleinen muss man es einfach mal TUN!“